Fotowalk im Sozialraum Oberbilk

Am 26. September 2022 haben wir mit unserem Vertiefungsbereich Sozial Interkulturelle Bildung einen Rundgang „Fotowalk“ in Oberbilk gemacht.

Zur Geschichte des Viertels
Durch die guten Bahnanbindungen geriet das Viertel in der Mitte des 19 Jahrhunderts in den Fokus der Stahlindustrie. Fabriken und Mietskasernen, mit kleinen erschwinglichen Wohnungen für die Arbeiter, entstanden. Straßennamen wie: Stahlstraße, Kruppstraße, Eisenstraße bezeugen die historische Vergangenheit des Viertels.

Mit der Abwanderung der Stahlindustrie und Schließung der letzten Werke in den 80er Jahren offenbarte sich die nicht mehr zeitgemäße Struktur des Viertels mit Mietskasernen, wenig Frei- und Grünflächen und einem sehr hohen Verkehrsaufkommen. Im Krieg wurde viel zerstört und die Bahntrassen zergliederten das Gelände.

Die typischen Hinterhofgewerbe in den wunderschönen Häusern aus Gründerzeiten existieren neben den Bausünden der 60/70er Jahre.

Seit 1979 erlebte der Stadtteil einen Strukturwandel. Im Rahmen der Bundesgartenschau entstand der Südpark. In den 1998er Jahren wurde ein integriertes Handlungskonzept für Flingern und Oberbilk initiiert. Stadtteilbüros und Zukunftswerkstätten luden die Bürger zur Beteiligung ein. Graffitikünstler nutzen den industriellen Charme der Gegend für ihre Street-Art. Ateliers und Künstlerhäuser entstanden. Die Subkultur entwickelte sich stark und zeigt ihre volle urbane Härte vor allem rund um den Hauptbahnhof. Die Lebensqualität im Veedel verbesserte sich enorm.

Aktuelle Situation
42,6 % Menschen mit Migrationshintergrund, sog. Ausländer, eingebürgerte Personen und Aussiedler leben hier. Von den 31.179 Menschen in Oberbilk sind 11.413 Ausländer. Die am Stärksten vertretene Gruppe sind Menschen türkischer Herkunft mit 1.004 Personen.

Die Arbeitslosigkeit im Stadtteil ist mit 81,97% zwischen 25 und 50 Jahren hoch. (Deutschland123) Geringverdiener leben hier geballt, das heißt wenig Kaufkraft. Das hat zur Folge das alteingesessenen Geschäfte und Handwerksbetriebe Billigketten und Dönerläden Platz machen mussten.

Den Bereich, den wir durch unseren „Fotowalk“ besonders in den Fokus nehmen möchten, wird im Volksmund „Maghreb-Viertel“ oder „Klein-Marokko“ genannt. Maghrebstaaten sind Tunesien, Marokko und Nordalgerien.

Maghreb ist arabisch und bedeutet „Westen“ oder „Land des Sonnenuntergangs“. Viele Nordafrikaner aus dem Ruhrgebiet nutzten das anrüchige Viertel um den Bahnhof für ihre dubiosen und teils illegalen Geschäfte. Der Lessingplatz war zeitweise Zentrum dieser unschönen Entwicklung. In einem WZ-Artikel von 2017 werden die Probleme des schillernden Viertels thematisiert. Wir haben die Eller Straße besucht und uns von einem führenden Mitglied der stadtplanerischen Transformation der 2000er Jahre mit Insiderinformationen versorgen lassen! Wir begeben uns auf Spurensuche und überzeugen uns vom Erfolg der Maßnahmen zur Wiederbelebung von Kunst- und Kultur durch bürgernahe Aktionen wie „vonfremdenlaendern.de“.

Unsere Aktion
Wir hatten zuvor Details unseres Spazierganges fotografisch festgehalten. Mit diesen Bildern schickten wir unsere Klassenkameraden auf die Suche. Zu jedem der gefundenen Orte hatten wir ein bisschen Geschichte und Infos vorbereitet.

Wir trafen uns danach, in einem marokkanischen Café, mit Dr. Helmut Schneider (Arbeitsgebiet Kulturgeographie) und luden ihn ein uns über seine Erkenntnisse zu berichten. Er ist der Initiator von „Stammtisch Oberbilker Bürgerverein e.V. 1894.” […]

Der Runde Tisch ist ein Angebot zum gegenseitigen Kennenlernen, zum Informations- und Erfahrungsaustausch und zur Koordination, perspektivisch auch ein Rahmen für gemeinsame Aktionen. www.d-oberbilk.de

Bei authentischem Kaffee und Tee saßen wir noch eine Weile zusammen und tauschten uns aus. Wir erhielten fundierte Einblicke über die Situation und die Menschen vor Ort. Wie sich das Viertel von innen heraus sieht und zeigen möchte. Am Ende gab es noch ein Kreuzworträtsel für zu Hause, um das Erlebte zu vertiefen. Das war natürlich freiwillig. Alles in allem war es ein spannender und aufschlussreicher Nachmittag.

Text: Alexa Müller-Raßelnberg und Iris Pukschitz (Studierende)

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